Am 15.01.2011 fand in den Räumlichkeiten der Bewährungshilfe Herne/Wanne-Eickel die erste von drei Impfaktionen gegen Hepatitis, Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Grippe und weitere spezifische Erkrankungen statt.
Zu den Mitinitiatoren zählt neben der Arztpraxis Dr. Manfred Plum, dem Marienhospital Eickel, vertreten durch Thomas Goldmann, Sozialpädagoge und Suchtberater, der auch für die Betreung der Substituierten zuständig ist und dem ambulanten sozialen Dienst der Justiz NRW, erstmals auch JES Wanne-Eickel. Dass auch wir eingeladen wurden, die diesjährige Impfaktion mit zu organisieren und zu gestalten, macht mich nicht nur sehr stolz, sondern es beweist auch, dass wir in den nun etwa 17 Monaten seit unserer Gründung uns durch seriöse Arbeit und besonders die überaus erfolgreiche Aktion zum Gedenktag für Drogentote am 21.07.2011 bereits einen Namen gemacht haben.
Darüber hinaus besitzt insbesondere das Thema Hepatitis einen hohen Stellenwert in der Arbeit von JES, da überdurchschnittlich viele Drogen gebrauchende Menschen mit dem Hepatitis C Virus infiziert sind und eine Imfung gegen Hepatiden der Typen A oder B in diesen Fällen sehr sinnvoll erscheint. Bei mit Hepatitis C (HCV) Infizierten kann eine zusätzliche Infektion mit A oder B tödlich enden. Gegen HCV kann man derzeit überhaupt noch nicht impfen. JES Wanne Eickel hatte daher im Vorfeld insbesondere die lokale Szene über diese wichtige Imfaktion informiert
Wie auch bei der oben erwähnten Aktion am 21.07.2011, fühlte ich mich bei den Vorbereitungen zu der jetzigen Impfaktionen zunächst ein wenig von den anderen JES-Aktivisten im Stich gelassen, denn trotz mehrmaligen Bittens um Mithilfe stand ich noch beim Errichten unseres Infostandes ohne jegliche Unterstützung da. Dies änderete sich aber wieder schlagartig um 10:00 Uhr, dem Beginn der Aktion. Nach und nach trudelte Hilfe ein, so dass wir zeitweise erneut mit etwa 10-15 JES-Aktivisten vor Ort und beim vielbeachteten Info-Stand von JES Wanne-Eickel abwechselnd bis zum Ende der Aktion um etwa 12:30 Uhr zur Stelle waren.
Noch vor zwei Jahren hatte ich beim Betreten dieser Räumlichkeiten stes ein unbehagliches Gefühl. Doch dass wir uns nun soagar in Räumen der Justiz NRW gegen eine Kriminalisierung von Drogenkonsumenten, sprich für die sofortige Aufhebung der Prohibition und eine schnelle, flächendeckende Umsetzung der Originalstoffvergabe zu überarbeiteten Bedingungen, starkmachen können, hätte ich mir noch vor kurzer Zeit nicht im Traum vorstellen können.
Meine langjährige Bewährungshelferin, die mich in der Vergangenheit immerhin 12 Jahre betreute, Ingrid Richart, bot mir an diesem Tage ebenso wie die gesamte Belegschaft der Bewährungshilfe sogar das "Du" an. Ein weiter Beweis für die Wertschätzung der Arbeit von JES, aber auch speziell der von JES Wanne-Eickel.
Dass man mich, also JES W-E. an diesem Tag schließlich auch noch einlud, wie zuvor bereits schonmal kurz angedacht, in Zukunft auch Mitglied des Herner-Netzwerkes zu werden, machte den Tag dann nahezu perfekt. Das Herner Netzwerk besteht aus der Diakonie, dem ASB, "Der Herner Tafel", der ambulanten Suppenküche, dem St. Marienhospital Eickel (eine Psychiatrie), der Stadt Herne und einigen anderen sozialen Institutionen, Vereinen oder Einrichtungen unser Stadt.
Wie ihr aus meinem Bericht wohl deutlich entnehmen könnt, ist JES Wanne-Eickel in recht kurzer Zeit zu einer respektierten Gruppe unter zahlreichen örtlichen Instutionen aber auch, was mir persönlich sehr wichtig ist, unter der Wanner Bevölkerung geworden.
Text: Guido von JES Wanne